Jahrestage auf sofo-hd.de

Am 10.8.2026…

  • vor 90 Jahren – 10.8.1936:

    Die Mannheimer Kommunisten Gustav Müller und Erwin Strohmeier beschließen, einer erneuten Inhaftierung durch deutsche Behörden durch Flucht nach Frankreich zu entgehen. Unter dem Vorwand eines Faltbootausflugs fahren sie mit der Bahn nach Kehl. Ein SA-Mann, der sie für Wassersportler hält, hilft ihnen am Rheinufer beim Aufbau des Faltbootes und warnt sie noch vor der französischen Grenze in der Flussmitte. Die Flucht gelingt, beide kämpfen später in den Internationalen Brigaden gegen die Spanischen Faschisten, Müller dann weiter in der Résistance. Nach der Befreiung kehrt Müller nach Mannheim zurück.

  • vor 65 Jahren – 10.8.1961:

    Die US-Luftwaffe beginnt mit der Entlaubung vietnamesischer Wälder. Im Verlauf der Aktion wurde später vor allem Agent Orange (ein Cocktail verschiedener chlorierter Kohlenwasserstoffe, der herstellungsbedingt erhebliche Mengen des Seveso-Dioxins 2,3,7,8-TCCD enthielt) eingesetzt. Zwischen einer halben und zwei Millionen Menschen in Indochina entwickeln in der Folge Tumore, erleiden Fehlgeburten oder kommen mit schweren Missbildungen zur Welt.

  • vor 32 Jahren – 10.8.1994:

    Am Münchener Flughafen verhaften deutsche Polizeibeamte mit großem Tamtam drei Menschen, die 360 Gramm waffenfähiges Plutonium-239 bei sich haben. Das Narrativ, nach dem radioaktive Substanzen aus der GUS an Terroristen verschoben werden, bricht im Gefolge zusammen: Der deutsche Geheimdienst BND hatte das Plutonium bestellt und den Schmuggel inszeniert. Das umfangreiche Bürgerrechtseinschränkungen mit sich bringende „Verbrechensbekämpfungsgesetz“, dessen Verabschiedung mit der Operation befördert werden sollte, ist bis heute in Kraft.

  • vor 51 Jahren – 10.8.1975:

    In Erfurt verprügeln DDR-Jugendliche während eines Volksfests am Domplatz zwei algerische Vertragsarbeiter, weil sie – wohl nach einschlägiger Hetze während der Monate davor – glauben, einer von diesen habe versucht, eine deutsche Frau zu küssen. Rund zwei Dutzend mitfeiernde Algerier fliehen vom Domplatz, verfolgt von schließlich 300 Deutschen in, so die Stasi, „aufgebrachter, pogromhafter Stimmung“. Die Deutschen setzen „auf Baustellen und von Marktständen entwendete Latten und Stangen“ gegen die Fliehenden ein. An den folgenden Tagen wiederholen sich vergleichbare Szenen. Das erste ausländerfeindliche Pogrom in der DDR läutet das Ende der Entsendung von Arbeitskräften durch die algerische Regierung ein.

  • vor 51 Jahren – 10.8.1975:

    In Erfurt jagen einige hundert Jugendliche algerische Vertragsarbeiter, wohl angestachelt durch (haltlose) Gerüchte über Morde und Vergewaltigungen durch die Algerier. Die rassistischen Gewalttaten („vergessene Pogrome von Erfurt“) gehen noch bis zm 13.8. weiter. Die DDR-Behörden ermitteln gegen 31 Beteiligte und verurteilen schließlich einige „Rädelsführer“ zu mehrjährigen Haftstrafen (vgl. 24.8.1992).

  • vor 98 Jahren – 10.8.1928:

    Unter Leitung des SPD-Kanzlers Hermann Müller bewilligt das deutsche Kabinett 60 Millionen Reichsmark für den Bau des „Panzerkreuzers A“. Die SPD hatte im Wahlkampf unter dem Motto „Für Kinderspeisung – gegen Panzerkreuzerbau“ viele Stimmen gewonnen. Im Gegensatz zur militärischen Wende der Grünen siebzig Jahre später meutert 1928 die Parteibasis und zwingt im November die SPD-Reichtstagsfraktion, gegen den Panzerkreuzer zu stimmen. Im von bürgerlichen und faschistischen Parteien dominierten Reichstag findet sich aber keine Mehrheit, und so wird das spätere Werkzeug der NS-Außenpolitik (vgl. 29.5.1937) gebaut.


Jahrestage für . .


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