Vortrag mit Diskussion: "Verbrechen unterm Edelweiß -- Ungesühnte Massaker und neue 'Heldentaten' der Gebirgsjäger" mit Ulrich Sander

Donnerstag, 23.09.2004 , 19:30

Emil-Julius-Gumbelraum, Karlstorbahnhof

Langtexte kommen meist von den VeranstalterInnen. Das Sozialforum ist hier nur Bote.

Die VeranstalterInnen schreiben:

Nicht nur in der Sowjetunion mordeten SS und Wehrmacht. In Griechenland, Italien und Frankreich waren es die Gebirgsjäger, die unter der Bevölkerung wüteten. Ganze Dörfer wurden ausgerottet. Distomo, La Chapelle und Camarino seien stellvertretend genannt. Jede Pfingsten feiern die ehemaligen Gebirgsjäger im bayrischen Mittenwald ihre "Heldentaten", unterstützt von der Bundeswehr. Bis heute blieben die Verbrechen ungesühnt. Entschädigungen lehnt die Bundesregierung kategorisch ab. Ulrich Sander lieferte 2003 nach Ermittlungen gemeinsam mit Historikern den Staatsanwälten in Dortmund, Ludwigsburg und München 200 Namen von möglichen Mittätern. Er informierte an Hand seines Buches "Die Macht im Hintergrund" auch über die besonders aggressive Rolle der heutigen Gebirgstruppe.

Die Antwort war eine Beschlagnahme von Sanders PC mitsamt den Daten und eine vollkommen haltlose Beschuldigung wegen "Beleidigung und Amtsanmaßung". Der Vorwurf der Amtsanmaßung beruht auf von ehemaligen Gebirgsjägern vorgelegten Briefen mit gefälschtem staatsanwaltlichem Briefkopf, die Ulrich Sander verschickt haben soll. Bis heute wurden die beschlagnahmten Daten nicht zurückgegeben. Auch reagierte die Staatsanwaltschaft Dortmund nur sehr verhalten auf die handfesten Ermittlungsergebnisse gegen die Wehrmachts-veteranen. Andererseits ging sie aber der Beschuldigung Ulrich Sanders intensiv nach. Sein Anwalt fordert jetzt die Einstellung des grundlosen Verfahrens gegen ihn. Die Bundeswehr hingegen schweigt zu den Vorwürfen gegen die Gebirgstruppe von gestern und heute. Der Referent wird im Vortrag über seine Recherchen berichten.

unimut