Die Sprache des Rassismus – gestern und heute

    Montag, 08.06.2015
    18.00 Uhr
    Neue Uni, HS 1 (Universitätsplatz Altstadt)

    Die Sprache des Rassismus – gestern und heute

    Prof. Dr. Anja Lobenstein-Reichmann, Göttingen

    Bereits in der Titelankündigung wird deutlich, dass Rassismus als soziale Praxis nicht nur eine Gegenwart, sondern auch eine (lange) Geschichte hat. Betrachtet man diese, so wird deutlich, dass es die Geschichte einer sprachlichen Konstruktion ist, bei der die diskriminierende Ordnungskategorie „Rasse“ erst in Texten und Diskursen geschaffen, gesellschaftlich implementiert, akzeptiert und immer wieder repetiert werden musste, bevor sie zu einer umfassenden sozialen Praxis werden konnte. Von den damit angedeuteten Konstruktionstexten, wie z.B. Joseph Arthur Graf de Gobineaus „Essai sur l’inégalité des races humaines“ (Paris 1853/55; dt.: Versuch über die Ungleichheit der Menschenrassen) und ihren kryptorassistischen Vorläufern bis hin zum vorläufigen Konsens der meisten modernen Genetiker, dass es keine genotypischen Rassen gibt, liegt ein langer Weg. Als Stationen dieser Geschichte sehen wir den europäische Kolonialismus, zwei Weltkriege und den Nationalsozialismus mit seiner rassistischen Weltanschauung, aber auch die Verabschiedung der Menschenrechte, den Antirassismus und die humanistische Sprachkritik. Im Vortrag sollen die sprachliche Konstruktion des Rassismus und seine Ausgrenzungsstrategien anhand ausgewählter Beispiele vorgestellt und dekonstruiert werden. Gezeigt wird, dass diese Konstruktions- und Ausgrenzungsstrategien trotz der historischen Distanz und trotz gesellschaftlich veränderter Bedingungen immer noch in derselben Weise fortwirken. Es geht also auch um die Gegenwart des Sprechens im Spiegel der in Texten zu uns sprechenden Geschichte.

    Montag, 8. Juni, 18.00 Uhr Neue Uni, HS 1 (Universitätsplatz Altstadt) Organisiert von Akut+C

    Eine Veranstaltung im Rahmen des festival contre le racisme Heidelberg. Alle Infos unter: contreleracismehd.wordpress.com

    Langtexte kommen meist von den VeranstalterInnen. Das Sozialforum ist hier nur Bote.