DJANGOS LIED – EINE SINTI-JUGEND IN DEUTSCHLAND (2008) Filmreihe: Antiziganismus heute

    Mittwoch, 30.05.2012
    20.00 Uhr
    Heidelberg, Sandgasse 7, Raum 0019 (EG)

    DJANGOS LIED – EINE SINTI-JUGEND IN DEUTSCHLAND (2008) von Kuno Richter und Tom Franke

    Inhalt

    Im Sozialismus waren Sinti und Roma "Zigeuner", viele wurden nach dem so genannten Assiparagraphen - § 249 "Gefährdung der öffentlichen Ordnung" - verurteilt. Der abfällige Vergleich "wie die Zigeuner" war allgegenwärtig, auch in der DDR. Rassistischer Umgang mit Sinti und Roma war zwar nicht staatlich verordnet, trug sich aber über Generationen fort. "Wenn ihr Sprengstoff mitbringt, komme ich auch nach Thüringen!", sagt Janko und will damit wohl seine Unsicherheit überspielen. Vor 20 Jahren, am 18. November 1987, verfügte ein DDR-Jugendhilfeausschuss die Einlieferung des Jungen ins Spezialkinderheim nach Bad Langensalza. Isolationsstrategie zur Umerziehung, hieß es in der Begründung. Damals war Janko Lauenberger 11 Jahre alt. "Saujude, Türke, Zigeuner, Kameltreiber, Kanake" - so beschimpften ihn Mitschüler in Berlin, Hauptstadt der DDR. Einer nahm Janko in den Schwitzkasten, zog ihn zum Wasserhahn und sagte: "Soll ich dir zeigen, wie damals Zigeuner vergast wurden?" Spätsommer 2007: Janko fährt noch einmal an den Ort der Demütigung, ins damalige Heim für Schwererziehbare. Ihm ist es unangenehm, wenn er darüber spricht, doch er redet. Auch vom Opa, der als Einziger das KZ überlebt hat.

    Der Film erzählt die Geschichte der Familie Lauenberger. Einer Sinti-Familie die in der DDR lebte und im Westteil Deutschlands. Gleichzeitig blickt der Film zurück in die Zeit des NS-Regimes. Im Herbst 2007 will sich die Großfamilien im Garten der Kirchgemeinde von Neuenhagen treffen. Dieses Treffen ist der Rahmen für eine großartige Familiengeschichte.

    13.6. Natasha

    27.6. Pappo der Schausteller (1995)

    Diskussionsbeitrag

    • Daniel Strauß (Sohn des Hauptdarstellers, Geschäftsführer Landesverband Deutscher Sinti und Roma, RomnoKher gGmbH);

    11.07. Der Abschied von Sidone (1989);

    25.7. Zigan –angefragt oder Anders Sein

    Filmreihe: Antiziganismus heute

    Die Sinti und Roma sind mit etwa 12 Millionen Angehörigen die größte ethnische Minderheit in Europa. Die Situation der Sinti und Roma in Bezug auf gesellschaftliche Teilhabe wie zum Beispiel in den Bereichen Bildung, Wohnen, Gesundheit und Beschäftigung ist wie bei keiner anderen Minderheit von Vorurteilen und Diskriminierung gekennzeichnet. Das Thema Antiziganismus hat heute große Brisanz, weil sich die Situation der Sinti und Roma seit 1945 kaum verändert hat und im Zuge der EU-Erweiterung Migration zwar erleichtert wurde, de fakto aber mit Versuchen der Abschiebung und Vertreibung auch in Deutschland beantwortet wird. In Deutschland leben 60 000 bis 115 000 deutsche Roma und Sinti.

    In Filmen und Diskussionen möchten wir uns damit auseinandersetzen, welche Bilder von Sinti und Roma vermittelt werden, welche Bilder die Mehrheitsbevölkerung mitbringt, was das für die Minderheit bedeutet und wie die reale Lebenssituation in Deutschland und anderen Ländern aussieht.

    Langtexte kommen meist von den VeranstalterInnen. Das Sozialforum ist hier nur Bote.